Geschichte Ruandas
Präkolonialzeit: Bevor Ruanda 1890 deutsche Kolonie wurde, stand es in der Tradition einer jahrhundertealten Monarchie. Die Bevölkerung unterteilte sich in drei Gruppen:
- Tutsi: Die „Adelsklasse”, v.a. Viehzüchter, die traditionell immer den König stellte
- Hutu: Mit 80% der größte Teil der Bevölkerung,v.a. Bauern
- Twa: Eine Minderheit der Bevölkerung, die traditionell Töpferei betrieb.
Wichtig ist, dass es sich bei diesen Gruppen nicht um „Volksstämme”, sondern um ein Volk handelte, mit gemeinsamer Sprache, gemeinsame Bräuche und Heirat untereinander. Durch sozialen Aufstieg war ein Wechsel in eine höhere Schicht möglich.
Belgische Kolonialzeit: Nach dem ersten Weltkrieg wurde Ruanda belgische Kolonie. Die Belgier betrieben eine intensive „indirekte Herrschaft”, indem sie den Tutsi als „hellhäutige, hochwüchsige, blaublütige” Rasse zahlreiche Privilegien einräumten. Die Hutu als „untersetzte, kleinwüchsige, negroide” Rasse wurden diskriminiert. Sie durften keine Schulen besuchen und keine öffentlichen Ämter bekleiden. 1933 wurde die „Rassen”-Zugehörigkeit in den Ausweisen festgehalten, wozu Kriterien wie die Anzahl der Rinder, die jemand besaß oder die Nasenbreite herangezogen wurden. Mit Hilfe der Tutsi leiteten die Belgier eine intensive „Europäisierung” des Landes ein.
1955 setzte ein radikaler Wandel der belgischen Politik in Ruanda ein, das inzwischen Treuhandgebiet der UNO unter belgischer Verwaltung geworden war. Als die Tutsi begannen, immer stärkere Forderungen an Belgien zu stellen, begann man unter einem „Demokratisierungsgedanken” (in Wahrheit aber wohl aus machterhalterischen Interessen) die Rechte der Hutu zu stärken. Belgien setzte Kommunalwahlen an, die die Hutu als Mehrheit der Bevölkerung haushoch gewannen. In der Folge kam es immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen zwischen Hutu und Tutsi.
Unabhängigkeit: 1962 schließlich erzwangen die Hutu in einem Staatsstreich die Unabhängigkeit des Landes. Die Republik hielt sich 11 Jahre, dann wurde Ruanda eine Militärdiktatur. Die folgenden Jahrzehnte waren von gewaltsamen Vertreibungen der Tutsi in die Nachbarländer geprägt. Dort formatierten diese sich zu einer militärischen Streitkraft, der „Front Patriotique Rwandaise” (FPR), mit dem Ziel die Hutu-Regierung zu stürzen. Angriffe der FPR auf das Hutu-Regime wurden in Ruanda immer wieder mit Massakern an den im Land verbliebenen Tutsi beantwortet.
Genozid: Als 1994 der Hutu-Präsident Ruandas ermordet wurde, gipfelte der Konflikt in einem Genozid an den Tutsis: in 30 Tagen wurden fast eine Million Tutsi und oppositionelle Hutu grausam ermordet. Die Hilfe, die sich die Tutsi von der UNO erhofften, blieb ihnen verwehrt: Die UNO beschloss keinerlei militärische Intervention. Präsident Clinton bezeichnete das später als das größte Versäumnis seiner Amtszeit. Der Genozid wurde schließlich mit dem Sieg der FPR beendet.
jetzt kommentieren? 03. Mai 2009